Interview mit der teamGLOBAL Praktikantin und Fridays for Future – Demonstrantin Mya Michaelis

Globalisierung und Klima – Zwei Themen, die eng miteinander verknüpft sind. Kein Zufall also, dass wir bei teamGLOBAL als Globalisierungsexpert*innen häufig Workshops zum Thema „Energie und Klima“ mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen durchführen.

Derzeit bekommt das Thema durch die Fridays for Future-Bewegung besonders viel mediale Aufmerksamkeit. Seit Monaten demonstrieren bei den wöchentlichen Freitagsdemonstrationen mittlerweile weltweit Jugendliche für mehr Klimaschutz. Eine der Demonstrierenden ist die fünfzehnjährige Münchnerin Mya Michaelis, die derzeit bei uns im Mannheimer teamGLOBAL-Büro ein Praktikum macht. Die Chance haben wir genutzt und ihr einige Fragen zu ihrem Engagement gestellt.

Mya, wo und wie oft bist du denn für Fridays for Future aktiv?
Da ich in München wohne, bin ich dort bei Fridays for Futureaktiv. Wie oft ich ganz genau bei den Demos dabei war, kann ich gerade gar nicht genau sagen. Ich bin allerdings schon seit der ersten Demo in München dabei und seitdem fast jede Woche, außer das eine Mal, als wir freitags unsere Zwischenzeugnisse abholen mussten. Da ließ der Lehrer nicht mit sich reden und die Zeugnisse wollten wir da schon haben.

Du sprichst von „wir“. Wen meinst du damit?
Zwei Freundinnen aus meiner Klasse und mich. Wir gehen meistens zusammen zu den Demos. Andere aus meiner Klasse kommen auch manchmal mit, aber nicht so regelmäßig oder eher bei größeren Events wie dem internationalen Schulstreik am 15. März. Da waren allein in München 10.000 Menschen auf der Straße. In ganz Deutschland waren es sogar um die 300.000.

Wie sieht es denn freitags bei dir aus mit dem zur Schule gehen? Fehlst du da den ganzen Tag?
Nein, eigentlich nicht. Die Versammlung beginnt um 11 Uhr, wir gehen allerdings meistens erst um 11:15 Uhr von der Schule los, sodass wir dann pünktlich um 11:30 Uhr bei der Demo mitlaufen können. Unser Lehrer ist da zum Glück auch ganz cool und unterstützt uns. Für ihn ist es wichtig, dass wir den verpassten Stoff nachholen, was wir dann auch tun. Am 15. März haben wir beispielsweise aber dann doch mal den ganzen Tag gefehlt, weil noch Leute gebraucht wurden, die bei der Orga und dem Aufbau vom Bühnengerüst und so mitanpacken.

Das heißt, du bist auch so richtig bei der Organisation involviert? 
Naja, ich gehe öfters zum Plenum, wo Ideen diskutiert und Dinge organisiert werden. Da versuche ich mitzuarbeiten und mich etwas einzubringen. Zum Beispiel war es in München ein großes Problem genügend über achtzehnjährige Ordnerinnen beziehungsweise Ordner zu finden, die man für so eine angemeldete Demonstration braucht. Sowas bekomme ich dann eben mit, aber ansonsten versuche ich eher Bekannte und Freunde für die Bewegung zu begeistern und dafür zu sorgen, dass die dann vielleicht das nächste Mal auch mit auf die Demo kommen. Und ungeachtet der Demonstrationen kann man ja auch privat Leute dazu motivieren klimafreundlicher zu sein.

Wie würdest du das machen?
Indem ich das Augenmerk der Leute auf solche Dinge wie Plastikverbrauch, Fleischkonsum, Ökostrom, ÖPNV oder Rad statt Auto oder Flugzeug und so weiter lenke. Einfach zu schauen, was jeder von uns bereits im Kleinen tun kann. Ich finde da sind die Demos auch so etwas wie ein Wachrüttler, der dazu führt, dass Menschen sich auch über die Bewegung hinaus mehr Gedanken über ihren Konsum machen, sich dessen bewusster sind und dann hoffentlich auch umdenken und was verändern. Ganz konkret plane ich für meine Schule eine Art Klima-Aktionstag, wofür ich einen Antrag bei der Schulleitung stellen möchte. Mal sehen, ob das klappt!

Das klingt nach einer tollen Idee! Falls der Klima-Aktionstag stattfindet und ihr gerne einen Workshop zum Thema anbieten wollt, kannst du dich natürlich gerne an uns wenden. Aber einmal abgesehen von der Schule, was sagen eigentlich deine Eltern zu deinem Engagement?
Meine Eltern unterstützen mich da total. Und auch meine Großeltern finden das super, mein Opa hat schließlich früher selbst mal Demonstrationen organisiert. Ich kenne allerdings auch Jugendliche, die da nicht so viel Glück haben und deren Eltern nicht wollen, dass sie auf die Demos gehen, vor allem wegen der Schulpflicht. Aber einige gehen dann trotzdem hin.

Was würdest du sagen: Was sind die konkreten Ziele von Fridays for Future
Naja, das alles geht ja im Grunde erst mal auf Greta Thunberg zurück, die angefangen hat vor dem schwedischen Parlament zu protestieren, weil sie wollte, dass Schweden seine Versprechungen hinsichtlich des Pariser Klimaabkommens einhält und sich bemüht die Klimaerwärmung tatsächlich unter zwei Grad Celsius zu halten. Sie demonstriert, weil sie im Grunde sagen möchte: Ich finde das nicht in Ordnung, dass ihr eure Versprechungen nicht einhaltet. Wir haben nur eine Erde, die müssen wir erhalten. Und das ist auch mein Beweggrund.

Es herrscht eine rege Debatte darüber, ob die Fridays for Future– Aktionen während der Schulzeit stattfinden dürfen, schließlich gibt es in Deutschland eine Schulpflicht. Wie ist deine Position dazu und hast Du den Eindruck, dass es Schüler*innen gibt, die die Demo nutzen, um die Schule zu schwänzen?
Also das mit der Schulpflicht ist mittlerweile ein Riesenproblem in München. Bislang wurden zwar relativ wenige Verweise durch Schulen erteilt, allerdings hat wohl eine Schule mit Bußgeldern gedroht aufgrund der Ordnungswidrigkeit. Und bei Geldstrafen würden dann vermutlich eben auch viele Eltern mehr Druck auf ihre Kinder ausüben, damit sie nicht mehr zu den Demos gehen. Ich finde es eigentlich absurd, dass man fürs Demonstrieren bestraft und angefeindet wird, was ja überhaupt nur notwendig ist, weil andere ihre Versprechen nicht einhalten. Und natürlich wäre es schön, wenn die Ziele sogar noch höhergesteckt würden, aber erstmal geht es mir ums Worthalten! Darum, dass endlich jemand ernsthaft etwas tut.

Achja, zum Schwänzen: Klar, es gibt auch immer ein paar Schülerinnen und Schüler, die es vielleicht nicht ganz so ernst nehmen, wie andere. Besonders beim großen internationalen Schulstreik hat man schon gemerkt, dass es für viele auch einfach cool war, bei so einer großen Demo dabei zu sein. Ein paar habe ich direkt nach der Demo zu einer großen Fast-Food-Kette laufen sehn, das finde ich dann auch nicht richtig. Ich frage mich dann, ob die wissen, wie viel Felder Regenwald jede Minute gerodet werden, auch wegen solchen Burgerläden. Aber alles in allem bin ich der festen Überzeugung, dass die allermeisten Menschen freitags zur Demo kommen, weil ihnen das Thema wichtig ist.

Wie wichtig ist Greta Thunberg deiner Meinung nach als Gesicht der Bewegung?
Wie wichtig? Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Auf der einen Seite ist sie sehr wichtig für Fridays for Future. Ich meine, sie ist diejenige, die das alles ins Rollen gebracht hat. Sie hat die Menschen motiviert auf die Straßen zu gehen, hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und ist so etwas wie das Sprachrohr und das Gesicht der Bewegung. Auf der anderen Seite ist es aber auch wichtig zu sehen, dass wir eine große, sehr unterschiedliche Gruppe sind. Da ist es schon von Bedeutung nicht einzelne zu sehr in den Fokus zu rücken, weil dann leicht der Eindruck entstehen kann, dass es sich um ein kleines Grüppchen von Leuten handelt. Dabei sind wir breit aufgestellt und wollen das auch zeigen, indem wir auch immer wieder versuchen frische, unbekanntere Gesichter zu zeigen. Trotzdem ist es natürlich ganz praktisch, dass es beispielsweise auch in Deutschland Leute wie Luisa und Jakob gibt, die unsere Interessen nach außen vertreten und erklären können. Trotzdem gilt: Wir wollen eine demokratische, keine von einigen wenigen angeleitete Bewegung sein, denn jeder engagiert sich aus seinem eigenen Antrieb.

Was glaubst du: Wie lange werden noch Demos stattfinden?
Die Regierung hofft ja, dass das Ganze mit der Zeit abflacht. Ich habe zurzeit eher das Gefühl, dass die Bewegung durch diese Haltung eher noch an Zulauf gewinnt. Wir knicken nicht ein! Ich selbst werde nach dem Praktikum auch wieder zu den Demos gehen, bis ich dann in drei Monaten ein Auslandsschulhalbjahr mache. Mal sehen, vielleicht kann man sich dort ja auch einbringen! Das fände ich cool.

Wir finden es auf jeden Fall super, dass du gerade noch hier bei uns im teamGlobal-Praktikum bist und Einblick erhältst, wie wir verwandte Themenfelder in der politischen Bildung nachhaltig vermitteln. War das eigentlich auch ein Grund für Dich, das Praktikum bei uns zu machen? 
Auf jeden Fall! Ich finde es super zu sehen, wie man Klima- und Umweltschutz auch in einem völlig anderen Kontext als beispielsweise auf einer Demo thematisieren kann. Es freut mich, dass das mit dem Praktikum so gut geklappt hat und ich die Chance habe, das hier zu machen.

Es freut uns, dass es dir bei uns so gut gefällt, Mya. Danke dir für das Interview!
Gerne, kein Problem!