AWS auf der Alb – Flucht und Diaspora

­AWS auf der Alb – Flucht und Diaspora

Unser zweiter Ausbildungsworkshop dieses Jahres betraf das Thema Flucht und Diaspora. Im Rahmen dieses Themenkomplexes fokussierten wir uns hauptsächlich auf den Islam, die islamische Kultur und die Erfahrungen muslimischer Menschen mit Flucht und Diaspora. Untergebracht waren wir bei unserem Kooperationspartner, der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, im wunderschönen Haus auf der Alb in Bad Urach. In außergewöhnlich kleinem Kreis – anderweitige Verpflichtungen reduzierten die Anzahl an Teilnehmenden stark – erlebten wir ein spannendes, produktives und auf persönlicher Ebene harmonisches Wochenende.

Um unser Konzept der peer-to-peer education erfolgreich umsetzen zu können, ist es wichtig, dass wir uns im Netzwerk regelmäßig fortbilden. Dabei geht es nicht lediglich um inhaltliche, faktische Weiterbildung, sondern auch sehr stark um Sensibilisierung. Es geht z.B. um Sensibilisierung für Vorurteile, die man bei Einsätzen an Schulen aufbrechen will, statt sie weiter zu verfestigen. Oder um Sensibilisierung für Machtstrukturen, die unsere Gesellschaft unterschwellig beherrschen. Diese Strukturen müssen in das Bewusstsein der Gesellschaft gerufen werden, sodass sie kritisch reflektiert werden können.

Um also in unserer Arbeit besser zu werden, trafen wir uns in Bad Urach und beschäftigten uns mit dem Thema Flucht und Diaspora mit speziellem Fokus auf den Islam. Ein Thema, das für unsere Arbeit an Schulen noch relevanter wäre, hätte man wohl kaum finden können. Die Berührungspunkte mit dem Islam sind in Deutschland sehr groß. Umso wertvoller waren die Erkenntnisse und das Wissen, das wir über das vergangene Wochenende ansammeln konnten.

Um eine Grundlage für die weiterführende Diskussion zu schaffen hat uns Maria von denk global! in das Vokabular des Themenkomplexes eingeführt und uns den Begriff Diaspora erklärt. Mit dem Spiel Islamitivity haben wir den Bogen zum Islam geschlagen und unser Vorwissen über den Islam reflektiert. Für anschließenden Wissenszuwachs hat Dr. Mahmoud Abdallah von der Uni Tübingen gesorgt. Dr. Abdallah nahm uns mit auf eine Reise durch die Geschichte des Islam. Dabei setzte er uns die historische und dogmatische Bedeutung von Flucht im Koran auseinander. Schließlich wendete Dr. Abdallah diese Erkenntnisse auf die momentane Flüchtlingssituation an und erklärte, mit welchen Schwierigkeiten Flüchtende bei ihrer Ankunft in Deutschland zu kämpfen haben. Mit seinem Beitrag gab uns Dr. Abdallah wertvolles Wissen an die Hand, das interkulturelle Begegnungen ermöglicht.

Eine ganz neue und für alle Anwesenden bisher unbekannte Perspektive auf den Islam verschaffte uns Anja von I-Slam. Die Studentin, Künstlerin und Aktivistin referierte über den islamischen Feminismus und zeigte, dass eine geschlechtersensible Auseinandersetzung mit den Schriften des Koran möglich ist. Damit einher geht die Kritik am islamischen Patriachat. Spannend in diesem Kontext war vor allem auch die Abgrenzung des islamischen Feminismus von sonstigen Feminismen.

An dieser Stelle möchten wir uns nochmal recht herzlich bei den ReferentInnen für ihr Engagement bedanken. Dank ihnen und dank einer super Vorbereitung seitens unseres Orga-Teams haben wir alle ein tolles Wochenende auf der Alb verbringen dürfen. Danke und auf bald!