Bericht über den AWS in Eschwege (28. – 30.04.2017).

Wenn wir einen tG- Einsätze durchführen, gibt es immer einen bestimmten Fokus in Bezug auf Globalisierung. Wir sind Expert*innen für Ernährung, Migration und Flucht, Klima, Weltmarkt und vieles mehr. Schulen können jetzt auch einen Einsatz wählen, der eine erste Annäherung an das Thema Globalisierung schaffen soll – „Globalisierung Basic“. Deswegen sollte dieser AWS einen allgemeineren Schwerpunkt haben.Wir fragten uns in diesem AWS also: „Was ist das für 1 Globalisierung?“ und haben das Ganze kritisch beleuchtet.

An unserem ersten Tag hat uns Jan, landläufig als der Planspiel-King bekannt, ein Planspiel zur kulturellen Globalisierung vorgestellt. Dabei haben mehrere kulturelle Gruppen versucht miteinander in geschäftlichen Kontakt zu treten. Um Geschäfte abzuschließen konnte es hilfreich sein, sich kulturell dem/der Geschäftspartner*in anzunähern. Allerdings hat man von der kultureigenen Kulturhüterin Belohnungen erhalten, wenn man sich gerade nicht von fremden Bräuchen hat beeindrucken lassen, sondern der eigenen Kultur treu geblieben ist. Bei Fragen zum genaueren Spielablauf und den Regeln dürft ihr euch sicherlich gerne an Jan wenden. Diesen Block werteten wir mit der „Doppelten Vermittlungspraxis“ aus und diskutierten, inwiefern die Methoden zielführend und angemessen eingesetzt werden können. Die eigenen Erfahrungen während des Methodenblock konnten wir in dem „Triocoaching“ aufarbeiten.

Der zweite AWS Tag verfolgte den Gedankengang: „Globalisierung und ich“. Inwiefern eine Globalisierung uns zu Weltbürger*innen macht und welche Erfahrungen und Privilegien das mit sich bringt, haben wir auch in diesem Block kritisch nachgefragt. Wir starteten mit einem persönlichen sowie politischen Erfahrungsbericht von Dan Amolo. Er wuchs in einem kenianischen Dorf auf und studierte in Nairobi und in Freiburg „transnational policies“. Wir diskutierten gemeinsam welche Bedeutung Bildung zu kommt: Ist sie eine wichtige Voraussetzung für das Interagieren mit anderen Kulturen? Welche Art von Bildung wird wertgeschätzt und von wem? Dan betonte, dass „kulturelle Kompetenzen“ die Balance zwischen „equity and equality“ herstellen könne. Er stellte für sich fest, dass Globalisierung „unity in diversity“ bedeutete und schlug so die Brücke zu unserer zweiten Einheit des Tages – dem „Vorurteile“-Input.

Wir setzten uns durch verschiedene Methoden, u.a. dem „Mörderspiel“ mit Fremd-und Selbstwahrnehmung auseinander. In dem „Mörderspiel“ wurde die Behauptung aufgestellt, dass es eine geheime*n Mörder*in zu entlarven gälte, welche*n wir an einer ungewöhnlichen Verhaltensweise erkennen müssten. Wir liefen einige Minuten durch den Raum und beobachten unsere Gruppenmitglieder aufmerksam, um später eine Anklage zu erheben. Wie später aufgelöst wurde gab es kein*e Mörder*in und wir diskutieren, wieso wir einige Personen verdächtigten und reflektieren den Effekt von vermeintlichen Tatbeständen. Denn die Behauptung, dass sich ein*e Mörder*in unter uns befinden würde kommt dem Verbreiten von Vorurteilen gleich. Und die Suche nach einer/*einem Mörder*in ist vergleichbar mit der (un-)bewussten Suche nach Vorurteilsbestätigung.

Wir lernten, dass Vorurteile verschiedene Funktionen haben:

  • Reduktion von Unsicherheit

  • Herstellung klarer Zugehörigkeiten

  • Aufrechterhaltung von einem positiven Selbstbild

  • Legitimation von Machtstrukturen

Um gegen Vorurteile vorzugehen hilft Selbstreflexion und Einflussmöglichkeiten (kritisch) zu nutzen.

Besonders gelungen rundeten wir diesen intensiven Tag mit dem Abendprogramm „Schlag den/*die Superteamer*in“ ab. Die Teams Apfel und Birne lieferten sich einen gelungen Kampf um den ehrenvollen Titel mit erfinderischen und spaßigen Spielen. Auch wenn am Ende die Hippie-wir-sind-alle-Obst- Stimmung für ein friedliches Miteinander sorgte, hatte sich die APFELpower erfolgreich(er) bewährt (Kommentar der Apfel-Redakteurin). Einige nerdige skills konnten sich (endlich) als nützlich herausstellen – denn wer kennt sich schon mit allen Pokémon-Entwicklungsstadien der 2. Generation aus? Ein Gefühl für die Stimmung bekommt ihr in der kleinen Audio-Datei am Anfang.

In alle Himmelsrichtungen verschlug es uns nach unseren letzten AWS Tag. Dieser stand wie so oft unter einem organisatorischen und evaluierenden Stern. Das AWS Team hat viel Lob für die tolle Vorbereitung und Durchführung erhalten. Zusammen haben wir ein produktives und schönes Wochenende gehabt. Haltet die Augen und Ohren für den kommenden AWS offen und seid dabei!