Reader „Gender & Identität“

Folgender Reader ist im Rahmen der Vorbereitung auf den Ausbildungsworkshops zum Thema Gender & Identität entstanden, der im Dezember 2016 stattfinden wird. Er dient den Teilnehmer_innen als (visueller) Einstieg in das Thema.

1) Chimamanda Ngozi Adichie – „We should all be feminists“

Chimamanda Ngozi Adichie bezeichnet sich selbst als „feminist writer“ oder auch als „story teller“. Sie wurde in Nigeria geboren und lebt heute teils in Nigeria und teils in den Vereinigten Staaten von Amerika. Sie vertritt einen intersektionalen Feminismus, der versucht, unterschiedliche Herrschaftsverhältnisse und Formen der Diskriminierung zusammenbringt. In ihrem populären TedX Talk geht sie auf ihr Verständnis von Feminismus ein und ruft dazu auf, dass wir alle Feminist_innen sein sollten.

Denkanstöße: Würdest du dich selbst als Feminist_in bezeichnen? Inwiefern weicht dein Feminismusverständnis von der Sichtweise von Adichie ab? Was bedeutet Intersektionalität?
2) Feminist Fairytales – Snow White

Hier erwartet euch ein literaturwissenschaftlicher Ansatz zum Thema Gender. Viele unserer Märchen reproduzieren Stereotype, traditionelle Geschlechterrollen und Verständnisse davon, was Männer und was Frauen ausmacht. In diesem Video wird das Märchen von Schneewittchen erzählt – allerdings auf eine andere Art und Weise…

Denkanstöße: Wie gehen wir als Gesellschaft mit Geschichten um, die patriachale Strukturen verfestigen aber dennoch zu unseren Traditionen gehören? Was kannst du an deinem Lieblingsmärchen kritisieren, wenn du eine gendersensible Brille anziehst?
3) The Manic Pixie Dream Girl

Bei „Feminist Frequency“ handelt es sich um einen Blog, der von der kanadisch-amerikanischen Medienkritikerin Anita Sarkeesian betrieben wird. Sie befasst sich mit der Darstellung von Frauen in Popkulturen, vor allem in Computerspielen. Für ihr Projekt „Tropes vs. Women in Video Games“ erhielt sie nach massivem Shitstorm viel Aufmerksamkeit. Das ausgewählt Video befasst sich mit dem „Manic Pixie Dream Girl“, bei dem es um eine stereotype Darstellung von Frauen in Hollywood-Streifen geht.

Denkanstöße: Wie überzeugend findet ihr die Analyse? Welche der genannten Figuren würdet ihr als „Manic Pixie Dream Girls“ einordnen und welche nicht?
4) Justin Trudeau tells the world why „I’m a feminist

2014 gründete UN Women eine Kampagne namens „HeForShe“, die sich weltweit für Frauenrechte sowie die Gleichstellung von Frauen und Männern engagiert. Dabei sollen vor allem Männer und Jungen als Unterstützer für den Wandel eines patriachalen Systems hin zu Gleichberechtigung gewonnen werden. Gesicht der Kampagne ist die berühmte Schauspielerin Emma Watson, die in ihrer Rede zum Beginn der Kampagne diese vorstellt und ihr Verständnis von Gleichberechtigung erläutert. Dabei zeigt sie auch auf, dass Feminismus in ihren Augen nichts mit Männerhass zu tun hat.

Denkanstöße: Was findest du gut/ schlecht an der Kampagne? Hat die Kampagne blinde Flecken, die nicht thematisiert werden?
5) Erziehung: Kid’s assumptions toward gender roles are turned around at carrer day in school

Hier kommen wir zu einer der Kernfragen, mit der sich Gender Studies beschäftigen. Wie viel von unseren Ansichten, Verhaltensweisen etc. ist biologisch begründet und welcher Prozentteil davon ist auf unsere Sozialisation zurück zu führen? Wie in dem Video dargestellt wird, werden Jungs und Mädchen zu ebendiesen erzogen. Denn es bestehen bestimmte Annahmen in der Gesellschaft darüber, was Mädchen gut können und was demgegenüber Jungs gerne machen etc. Eine endgültige, allgemeingültige Antwort auf die aufgeworfene Frage gibt es bisher nicht; dafür aber viele unterschiedliche Meinungen.

Denkanstöße: In welchen Momenten hast du dich schon mal selbst dabei erwischt, dass etwas für dich überraschend war, weil du unterbewusst ein Bild von einer Person, einem Beruf, einer Situation etc. vor Augen hattest, dass letztlich gar nicht stimmte? Was hat das mit Sprache zu tun? Spielt Sprache eine Rolle bei der Verfestigung von bestimmten Erwartungen, Stereotypen etc.?