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Ausbildungs­workshop „Alternativ“ im Stubaital

Weite Horizonte, gewaltige Felsen, die ins Blaue des Himmels hineinragen, gigantische Gletscher, Wassermassen, die sich die Berge hinunterstürzen und atemberaubende Höhen der Berge. Man kommt sich in den Bergen so klein vor und so unbedeutend und trotzdem hat der Mensch enormen Einfluss auf die Natur. Beides konnten wir auf dem diesjährigen „Ausbildungsworkshop der besonderen Art“ erfahren. Er führte uns in die Alpen, genauer gesagt ins Stubaital, wo wir vier Etappen auf dem Stubaier Höhenweg gewandert sind.

Unsere Tour beginnt am Mittwochabend, den 17. August, in Innsbruck, wo wir sogar noch eine kleine private Führung durch die Innenstadt von unserem Gast Michael bekommen. Michael ist Teil der Hochschulgruppenverbindung Plurale Ökonomik und wir haben das Glück, dass er uns die gesamte Zeit begleitet und uns einen Einblick in die Arbeit seiner Hochschulgruppe geben kann.

Das erste Ziel am Donnerstag (18.8.) ist das Infocenter „Tunnelwelten“ des Brenner Basis Tunnels in Steinach. Zunächst berichtet uns Johanna von Engineers without Borders, die uns ebenfalls die gesamte Tour über begleitet, vom Sand als endliche Ressource. Sand ist nach Luft und Wasser das meist gebrauchte Gut und geht nun langsam zur Neige, denn es wird vor allem für die Herstellung von Beton enorm viel Sand gebraucht. Im Infocenter wird uns in einer Führung das Projekt dieses Tunnelbaus erklärt und die verschiedenen, sehr praktisch aufgebauten Stationen des Infocenters werden erläutert. Der Brenner Basistunnel soll, mit 64 Kilometern Länge, der längste Tunnel der Welt werden und wird Österreich und Italien verbinden. Nachdem wir uns eingehend über das Projekt informiert haben, fahren wir zum Anfangspunkt unser Wandertour, der Grawa Alm. Wir satteln unser Gepäck auf und los geht es den Berg hinauf. Anfangs tummeln sich noch viele Wanderinnen und Wanderer entlang des Weges, doch umso weiter wir kommen umso stiller wird es um uns herum. Die heutige Strecke ist nicht lang und schon bald ist das Ziel in Sicht: Die Sulzenauhütte. Doch vorher gibt es „große Jause“ und ein anregendes Referat von Raphael, der uns über Nietzsche erzählt und das „Sich-Selbst-Überwinden“. Nach dem Abendessen ist unser Bauch gut gefüllt. Nun gibt es Nahrung für den Kopf: Paulina referiert über das Problem der Lichtverschmutzung und Elisa bringt uns die Alpen in der Kunst näher. Im Anschluss gibt uns unser Gast-Referent, Emmerich Kneringer, Professor für Physik an der Universität Innsbruck, eine kleine Einführung in die Astronomie und erläutert, inwieweit der Mensch auf den Weltraum bisher schon Einfluss genommen hat.

Am nächsten Tag (19.8.) begleitet uns der Glaziologe Kai Helfricht von der Hütte aus ein Stück bis zum unteren Gletscherrand. Er erzählt uns, inwieweit dieser die Natur rings um uns herum geformt hat, wie er sich bewegt und verändert und erklärt einige Messprinzipien. Danach besteigen wir noch einen Gipfel und setzen uns oben angekommen zur Mittagspause nieder, bei der uns die Belarussinnen Tatjana und Yuliya von ASDEMO berichten. Das ist ein ähnliches Netzwerk wie teamGLOBAL in Belarus. Weiter geht es nun auf einem eher anspruchsvollen Stück hinunter ins Tal zur Dresdner Hütte. Auf dem Weg machen wir noch eine kurze Pause, bei der wir von Parzival weitere Denkanstöße zur Fragestellung „Tourismus: Fluch oder Segen“ bekommen. Die Dresdner Hütte ist eine Skihütte, oder wohl eher ein riesiges Haus, das eher auf Luxus und Kommerz ausgelegt ist, als die Sulzenauhütte. Abends haben wir die Gelegenheit mit dem Betreiber des Skigebiets zu sprechen und ihm kritische Fragen zu Tourismus, Umwelt und Profit zu stellen.

Am darauf folgenden Morgen (20.8.) gesellt sich Holger Koch von ZDF heute zu uns. Er ist sitzt dort in der Hauptredaktion und ist für internationale Nachrichten zuständig. Bis zum Abend dient er uns als angeregter Gesprächspartner und gestaltet in den Pausen und am Abend das Rahmenprogramm. Ljuba, die ebenfalls extra aus Belarus angereist ist, um mit uns wandern zu gehen, gibt uns während einer Pause einen Input zu der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl vor 30 Jahren und erzählt uns von dem Umgang der Regierung und der Gesellschaft mit deren Folgen. An diesem Tag haben wir die längste und anstrengendste Etappe zu bewältigen. Wir wandern und klettern zwölf Kilometer weit, 900 Meter hoch und 850 Meter wieder hinunter bis wir unser Tages-Ziel, die Neue Regensburger Hütte erreichen. Dort sind wir alle doch ziemlich geschafft, auch weil wir auf den letzten Kilometern vom Regen überrascht worden sind. Am Abend gibt uns Holger einen Input zu den Kriegen in der Welt, die wegen Ressourcen und Energieträgern, wie Öl und Wasser geführt werden. Und im Anschluss diskutieren wir über Vor- und Nachteile sozialer Netzwerke als Medien sowie über die herkömmlichen Medien und erörtern, welche Aufgabe diese heutzutage noch haben. Sehr erschöpft und erfüllt von anregenden Gesprächen schlafen wir in unserem 16er Bett ein.

Am letzten Tag (21.8.) steht uns nur noch der Abstieg ins Tal bevor. Durch den Nebel und auf rutschigen Pfaden geht es hinab. Auf halber Strecke kommt Michael nun endlich zu Worte und erzählt uns vom Netzwerk Plurale Ökonomi, das ein Zusammenschluss von dutzenden Hochschulgruppen ist, die methodische und theoretische Vielfalt in den Wirtschaftswissenschaften fordern, unter anderem durch Fragestellungen zu alternativen Wirtschaftsformen und zur Wirtschaftsgeschichte. Ein Stück weiter des Weges halten wir noch einmal an, um von jedem ein Feedback über diese Bergwanderung zu bekommen. Die Resonanz ist äußerst positiv – jeder scheint bereichert aus diesem Ausbildungsworkshop wieder nach Haus zu fahren. Die Kombination aus aktiv sein (Wandern), lernen (Referate) und austauschen (Diskussionen mit anderen Teilnehmenden) ist sehr wirkungsvoll. Im Tal steigen wir nun also alle wieder in die Autos und ab geht es zurück nach Karlsruhe beziehungsweise zu Zwischenstopps.

Ohne Zweifel waren diese Tage ein voller Erfolg und die guten Erinnerungen daran werden noch lange weilen. Danke an alle, die ihren Teil dazu beigetragen haben, dass die Tour zustande gekommen ist und so ohne Zwischenfälle verlaufen ist sowie an alle, die dabei waren und die Tage zu einem großartigen Erlebnis gemacht haben!